die landschaft

Ein Moor zwischen zwei Flüssen

Hochmoore gibt es in Norddeutschland einige, doch dass zwei Flüsse zur Entstehung beitragen ist selten. Das Kehdinger Moor, das sich nordwestlich von Stade 22 Kilometer in die Länge und bis zu fünf Kilometer breit erstreckt, liegt zwischen der Unterelbe und dem Elb-Nebenfluss Oste.
Kehdinger Moor

An den Ufern beider Flüsse lagerte sich seit der Eiszeit Sand und Schlamm ab. Und zwischen diesen Dämmen konnte das Wasser nicht ablaufen. Nachdem zunächst Schilf und Rohr die Wasserflächen besiedelten, kamen später die torfbildenden Moose dazu. Nur vom Regen gespeist, wuchsen sie über das umgebende Sietland hinaus und bildeten eine vier Meter dicke Torfschicht – gerade so, wie man es sich heute auf den abgetorften und wieder vernässten Moorflächen erhofft.

„Wild“, wie der Hamburger Geographie-Professor Richard Linde noch vor 100 Jahren in seinem Buch „Die Niederelbe“ schrieb, ist das Kehdinger Moor heute nicht mehr, aber „geheimnisvoll“ ist es für die Moorkieker-Gäste immer noch.

Sonnentau

Noch immer gibt es gefährliche Schwingrasen, Insekten fressenden Sonnentau, seltene Orchideen, die sich wie der Beinbrech an den nährstoffarmen, nassen Moorboden angepasst haben. Auch Kreuzottern und der einsam rufende Brachvogel sind noch zu finden. Das Birkwild allerdings ist seit den 1970er Jahren ausgestorben.

Torfabbau

Nachdem sich vor 200 Jahren die Menschen daran machten, das Moor zu kultivieren, ist die einstige Naturlandschaft auf dem Rückzug. Torfgewinnung und Nutzung der Randflächen als Wiesen und Weiden prägen das Bild. Seit den 1930er Jahren zogen die Bauern Gräben durch die Torf- und Heideflächen. Heute sind rund 80 Prozent des Moores entwässert. Seit den 1950er Jahren wird Torf auf hunderten von Hektar auch industriell abgebaut. Auch darüber informiert die Moorkieker-Tour vor Ort.

Wollgras

In den wieder vernässten Moorflächen leuchten im Mai/Juni weit die Fruchtstände der Wollgräser und seltene Vögel wie Trauerseeschwalbe und Rothalstaucher haben sich im Kehdinger Moor angesiedelt. Ob jedoch in vielen Jahren wieder ein aus wachsenden Torfmoosen bestehendes Hochmoor entsteht, können Fachleute heute noch nicht versprechen.